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Ich bin hier: Home · High Hopes · American Skin (41 Shots) - Der Fall Amadou Diallo






41 Shots - Der Fall Diallo

Der Song 41 Shots von Bruce Springsteen ist uns allen geläufig. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte, die der Song beschreibt. Dieser Artikel wird ganz sicher nicht Bruces Meinung zur Sache unterstützen, er wird die Polizisten nicht verurteilen, sondern nüchtern wiedergeben, wer alles beteiligt war, was passiert ist und wie die Gerichtsverhandlung verlaufen ist.

von Stefan Seeger und Regine Schulze




Die Beteiligten Die Täter Die Tatwaffen
Der Tatort Der Tathergang Autopsie-Bericht
Gerichtsverhandlung Die Zeugenaussagen Das Urteil





Das Opfer
Amadou Diallo
22 Jahre alt, ledig.


Seine Freunde beschreiben ihn als einen sanft sprechenden und ruhigen Menschen, der Fußball und Basketball zu seinen Vorlieben zählte.
Amadou Diallo lebte seit 1996 in der New Yorker Bronx. Ursprünglich stammte er aus Guinea, einer französischen Kolonie in Afrika. Amadou ist nie strafrechtlich in Erscheinung getreten und wurde nie irgendwelchen Gangs zugeordnet. Amadou besaß eine legale Aufenthaltsgenehmigung, seine Arbeitserlaubnis sollte jedoch im April 1999 auslaufen. Er stellte einen Asylantrag, wegen politischer Verfolgung in seinem Heimatland.
Amadous Eltern:
Saikou und Kadiatou Diallo sind aus dem üblichen Mittelstand, sind kriminaltechnisch nie aufgefallen. Amadous Vater lebt in Vietnam und ist Geschäftsmann. Die Mutter Hausfrau und Mutter. Sie wurde auch von Bruce Springsteen angesprochen, nachdem die Tat publik wurde. Die Stadtverwaltung von New York City entschädigte die Familie mit 3 Millionen US-Dollar. Damit wurde die Amadou-Diallo-Stiftung ins Leben gerufen.




Edward McMellon
27 Jahre alt, wurde mehrfach wegen guter Polizeiarbeit ausgezeichnet. McMellon hat in seiner Karriere einmal von seiner Waffe Gebrauch gemacht, als er einen mit einer geladenen 9mm Waffe bewaffneten Mann stellte. McMellon gab 16 Schuss ab.
Sean Carroll
36 Jahre alt. Es liefen bisher 3 Verfahren zivilrechtlicher Beschwerden in seiner Karriere gegen ihn. Carol ist bereits Vater zweier Kinder. Carrol gab 16 Schuss aus seiner Waffe ab.
Kenneth Boss
28 Jahre alt und bereits einmal in einer großen Schießerei verwickelt, wobei ihm dabei kein Fehlverhalten nachgewiesen wurde. Boss gab 5 Schuss aus seiner Waffe ab.
Richard Murphy
Murphy war in seiner bisherigen Karriere noch nie in Schießereien verwickelt gewesen. Keinerlei Verfahren, bzw. Beschwerden lagen gegen ihn vor. Murphy lebt in NY Queens mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn. Murphy gab 4 Schuss aus seiner Waffe ab.






Die New Yorker Polizei verwendet die sog. Glock 17 als Standard-Dienstwaffe.

Das Standard-Magazin fasst 17, die erweiterte Version fasst 19 Schuss.
Der Durchzugswiderstand beträgt beim ersten Schuss 4,5 kg. Nun mag der Eindruck entstehen, dass die Beamten die Waffe nicht unter Kontrolle hatten und in Wirklichkeit vorhatten, Diallo in die Beine zu schießen. Ich selbst habe mir dann die Frage gestellt, ob das sein kann, dass erfahrenen Polizisten, welche regelmäßig Schießübungen abhalten, so etwas widerfahren kann. Ich habe mich daraufhin auf einen Schießstand begeben und das selber mal ausprobiert.
Der Rückschlag der Waffe ist gewaltig. Aber es ist selbst mir nicht passiert, dass ich unkontrolliert das ganze Magazin leer schießen musste, um die Kontrolle der Waffe wieder zu erlangen. Ich war als jemand, der nie schießt und nie geschossen hat, ohne Probleme in der Lage, einen einzelnen Schuss abzufeuern und neu zu zielen.





Der Tatort: South-Bronx in der Wheeler Avenue, wo Diallo gerade vom Bahnhof Elder Avenue kam. Die Südbronx ist in New York als "heißes Pflaster" bekannt. Soziale Probleme, hohe Kriminalitätsrate und der freie Schusswaffenbesitz machen es dem Police Department 278 am Bruckner Boulevard nicht gerade einfacher.
Bandenkriege und Drogenhandel stehen an der Süd-Bronx an der Tagesordnung. Die New York Times hat im Oktober 2003 einige Artikel aus der Süd-Bronx veröffentlicht. Unter anderem:

  • 26. Oktober 2003: 2 Männer erschossen, Täter auf der Flucht
  • 9. Oktober 2003: 3 Monate alte Zwillinge tot in einem Apartment in der Bronx gefunden
  • 2. Oktober 2003: Polizisten verwundeten einen Verdächtigen, als dieser eine Waffe zog

Das ist nur ein kleiner Auszug aus den Lokalmeldungen der New York Times, spiegelt aber wider, wie gefährlich die Gegend ist.
Bis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, wie der erste Kontakt zwischen den Beamten und Diallo zustande kam. Es wird vermutet, dass Diallo nach einem 12-Stunden-Tag auf dem Heimweg war und noch etwas zum Abendessen kaufte, wo er bereits von den Beamten beobachtet wurde. Im Hausflur (siehe Bild) wurde Diallo von den Beamten gestellt. Da Duallos Englischkenntnisse nicht die besten waren, schien er die Beamten falsch verstanden zu haben und tat irgendetwas, das die Beamten als Bedrohung wahrnahmen. Diallo griff nach seinem Pieper und die Beamten nahmen an, Diallo greife zur Waffe. Ohrenzeugen berichteten, dass 4 oder 5 Schuss gefallen seien, dann eine kurze Pause und dann wieder Schüsse. Insgesamt wurden 41 Schuss abgegeben, davon trafen 19 Schuss Diallo.






(übersetzt von Regine Schulze)


Der Gerichtsmediziner Dr. Joseph Cohen führte für die Staatsanwaltschaft die Autopsie an Amadou Diallo durch und kam zu dem Ergebnis, dass drei seiner 19 Schusswunden darauf hinweisen, dass die Polizisten weiter auf ihn geschossen haben, als er am Boden lag oder zu Boden ging. Eine Kugel, sagte Cohen, ist vorne in Duallos Schienbein eingedrungen und im Bein hoch von vorne nach hinten gewandert. Eine weitere ist durch die Sohle von Duallos rechtem Schuh eingeschlagen, hat seinen dritten rechten Zeh verletzt und ist nach oben gewandert; die dritte Wunde beweise, dass eine Kugel in Duallos rechtes Schienbein eingedrungen und "merkwürdigerweise nach oben“ gewandert sei, bis sie hinter dem Knie stecken geblieben ist.




Laut Cohen kann Diallo nur aufrecht gestanden haben, als ihm die Wunde zugefügt wurde, wenn einer der Polizisten direkt unter ihm gestanden und nach oben geschossen hätte. Wenn Diallo aufrecht gestanden hätte, wäre die Kugel horizontal vom Schienbein zur Hinterseite des Beines gewandert und nicht direkt im Bein hoch.




Cohen erläuterte den Geschworenen, wie mehrere Schusswunden Diallos Wirbelsäule, Rückenmark, Aorta, Nieren, Milz und Gedärme zerfetzten. Cohen sagte, er sei angesichts der zahlreichen Verletzungen erstaunt, dass keine Blutungen auftraten. Es fiel auf, dass an Duallos Körper und an seiner Kleidung kein Blut war. Cohen schloss daraus, dass die Wunde an der Aorta des Opfers bereits vor den anderen Schüssen da gewesen sein muss (die Aorta, die größte Arterie im menschlichen Körper, pumpt Blut in die anderen Körperteile). Dr. Cohen folgerte, dass das Herz kein Blut mehr in den Körper pumpen konnte, nachdem die Kugel Duallos Aorta durchlöcherte. Darauf ist das fehlende Blut bei den anderen, offensichtlich später zugefügten Wunden zurückzuführen. Bei seiner Untersuchung stellte der Arzt fest, dass ca. 45 Prozent von Duallos Blut in die Brusthöhle gelaufen war.




Cohen glaubte, dass Diallo aufgrund der Schussverletzung an der Aorta schnell zu Boden gegangen sein muss. Der Leichenbeschauer wies jedoch auch darauf hin, dass schussbedingte Lähmung und gebrochene Knochen der Grund dafür gewesen sein könnten, dass Diallo während der Schießerei zu Boden ging. Während die Verteidigung darauf bestand, dass Diallo während der ganzen Schießerei aufrecht gestanden hätte, erklärte Cohen den Geschworenen, dass die Kugel, die durch Duallos Aorta ging, auch seine Wirbelsäule und das Rückenmark durchlöcherte. Diallo, so sagte der Arzt, sei von der Hüfte abwärts gelähmt und inmitten des Kugelhagels zu Boden gegangen. Außerdem haben die Kugeln einige Knochen in Duallos linkem Bein gebrochen (Schien- und Wadenbein), weshalb es noch schwieriger für ihn war stehen zu bleiben.



Cohen schloss daraus, dass Diallo an den zahlreichen Schusswunden starb, die ihm beim Zusammentreffen mit den Polizisten zugefügt wurden.
Der Pathologe der Verteidigung, Richard Mason, und der Ballistikexperte Martin Fackler waren jedoch nicht Cohens Meinung und erläuterten den Geschworenen, dass die 16 Kugeln an Diallo linker Seite daherrührten, dass er fast während der ganzen Schießerei aufrecht gestanden habe. Laut Dr. Mason wanderten die meisten Kugeln von Diallos linker Seite zur rechten Seite. Durch die Wucht der Kugeln, so Mason, wurde Duallos Körper nach links gedreht. Während der Drehung, so erklärte Mason den Geschworenen, wurde er von der Kugel getroffen, die seine Aorta durchschlug und Wirbelsäule und Rückenmark zerstörte. Mason behauptete, die genaue Reihenfolge der Verletzungen nicht zu kennen, glaube aber, dass die Kugel in der Brust eine der letzten Wunden war, die Diallo zugefügt wurden - und ihn "später“ bei der sekundenlangen Schießerei zu Fall brachte.

Dr. Fackler glaubte, dass Diallo die Brustwunde "in der zweiten Hälfte“ des Kugelhagels zugefügt wurde. Obwohl er nicht die genaue Reihenfolge der Verletzungen bestimmen konnte, war er der Meinung, dass Diallo bei der Schießerei nicht lange flach gelegen haben kann. Gemäß Fackler wanderte eine Kugel, die Diallo hinten links traf, durch seinen Körper und könnte dazu geführt haben, dass die Kräfte in seinen Beinen nachließen.




Die Gerichts Verhandlung leitete der Richter Justice Joseph Teresi, 53 Jahre alt. Er war 21 Jahre als Verteidiger tätig, bevor er Richter wurde.

Die Jury setzte sich aus folgenden Personen zusammen:

Nr. 1: Afroamerikanerin mittleren Alters. Lebte in den 70ern selbst in der Bronx (in der Nähe der Wheeler Ave.). Sie hatte bisher noch nie mit der Justiz zu tun. Sie hat einen Sohn, welcher als Privatdetektiv arbeitet und eine Ausbildung bei der Militärpolizei absolvierte. Die Verteidigung beantragte den Ausschluss dieser Juroren, weil die Verteidigung eine rassenbelastete Vorverurteilung vermutete. Dieser Antrag wurde allerdings abgelehnt.

Nr. 2: Ältere Dame, weiß, Ehemann ist ehemaliger FBI Agent. Jurorin, Ehemann und Sohn sind als Anwälte tätig.

Nr. 3: Männlich, weiß, mittleren Alters, der die Waffengesetze der USA ablehnt und "richtende Menschen“ verurteilt. Bezeichnet sich selbst als "katholischen Prediger“.

Nr. 4: Ursprünglich Alternative zu Nr. 1. Weißer Mann, mitte zwanzig. Bezeichnet sich als Aktivist und kämpft für die Rechte Homosexueller. Er wurde nominiert, nachdem die ursprüngliche Nr. 4 disqualifiziert wurde.

Nr. 5: Afroamerikanische Frau mittleren Alters. Hat einen Drogenentzug hinter sich. Sie sitzt im Rollstuhl und bezeichnet sich als Kirchgängerin.

Nr. 6: Männlich, weiß, mittleren Alters. Er war im Korea-Krieg. Hat seitdem keine Waffe mehr in der Hand gehabt. Leidenschaftlicher Zeitungsleser. Sagt allerdings, dass er über diesen Fall wenig wisse. Das Einzige sei, dass 4 Polizeibeamte einen Mann erschossen haben sollen.
Nr. 7: Männlich, weiß, mittleren Alters. Lehrer an einer Mittelschule. Seine Tochter wurde 1989 durch einen Messerangriff verletzt, überlebte den Angriff. Sagt von sich, dass er auch unpopuläre Entscheidungen treffen könne.

Nr. 8: Afroamerikanerin mittleren Alters. Hat eine 21 Jahre alte Tochter (Diallo war 22). Sagt von sich, dass sie sich in die Lage von Duallos Mutter gut hineinversetzen könne. "Es hätte meine Tochter sein können“, sagt sie. Sie glaubt, eine faire Entscheidung treffen zu können.

Nr. 9: Männlich, weiß, mitte dreißig, dessen Eltern in der Bronx aufgewachsen sind. Er sagt, dass ein Angeklagter nicht unbedingt etwas falsch gemacht haben müsse. Die Polizisten gaben an, dass Diallo sich falsch verhalten habe.

Nr. 10: Männlich, weiß, mittleren Alters, passionierter Zeitungsleser. Er gab an, dass er Zeuge wurde, wie jemand versuchte, seiner Frau die Geldbörse zu stehlen.

Nr. 11: Männlich, weiß, mittleren Alters. Sagt von sich selber, dass er im Finanzsektor arbeiten und deswegen 2-mal nachdenken müsse, bevor er eine Entscheidung treffe.

Nr. 12: Afroamerikanerin mittleren Alters. Lebte in der Bronx. Glaubt von sich selbst, eine faire Entscheidung zu treffen und lehnte jede Diskussion in der Familie über diesen Fall ab. Der südliche Teil der Bronx habe eine sehr hohe Kriminalitätsrate, sagt sie.

Disqualifiziert: Nr. 4: Weiße Frau, mitte zwanzig. Wurde vom Richter disqualifiziert, weil sie über diesen Fall außerhalb des Gerichtes gesprochen hat. Ihre Aussage sei, dass sie sich für diesen "Unfall" schämt.




Die erste Zeugin, Debbie Rivera, lebt in Diallos Nachbarschaft. Diallo lebte in der 1157 Wheeler Ave. Und Debbie Rivera auf der gegenüber liegenden Straßenseite 1162 Wheeler Ave. Sie gab an, dass sie in jener Nacht auf ihren Ehemann wartete, der von der Arbeit kommen sollte. Sie schaute des Öfteren aus dem Fenster des Schlafzimmers, welches zur Straßenseite zeigte, um nachzusehen, ob er kommt. Sie sah dabei 4 weiße Männer, die aus einem burgunderfarbenen Auto ausstiegen und die Straße überquerten. Sie sahn nur die Hinterköpfe der Männer und sie trugen keine Uniform. Sie sagte weiterhin aus, dass das Licht im Korridor des Hauses 1157 Wheeler Ave. eingeschaltet war. Sie ging dann vom Fenster weg und hörte dann die Schüsse. Sie hörte erst eine Schussfolge, kurze Pause und dann eine weitere. Sie war zu diesem Zeitpunkt in ihrem Wohnzimmer und schaute wieder aus dem Fenster, wo sie einen der Männer am Auto stehend sah (es war Officer McMellon). Dann kamen die Kollegen hinzu, die dann den Tatort absicherten. Die Anwälte der Verteidigung argumentierten, dass die erste Schussfolge aus dem Fernseher hätten kommen können und sich Mrs. Rivera geirrt habe. Sie selbst blieb aber dabei, dass alle Schüsse von draussen kamen und nicht aus dem Fernsehgerät.
Diallos Mitbewohner Momodou Kujabi sagte aus, dass er gegen 11:30 Uhr von der Arbeit zu Hause ankam. Diallo saß auf dem Sofa und sah fern. Kujabi und Diallo unterhielten sich noch ein wenig, bevor Kujabi erst unter die Dusche und dann schlafen ging. Er gab an, dass er 30-40 Minuten schlief. In dieser Zeit musste Diallo die Wohnung verlassen haben, ohne Kujabi Bescheid zu geben.

Das nächste, was Kujabi hörte, war ein Klopfen an der Tür und Leute kamen herein. Er sah einen Detective mit einem weiteren Mitbewohner sprechen und er hörte, wie der Detective sagte, dass Diallo niedergeschossen wurde. Ein Detective bat Kujabi auf den Korridor, wo er sehr viele Patronenhülsen auf dem Boden liegen sah und dann bemerkte er den Körper von Amadou Diallo auf dem Boden liegend. Er identifizierte die Leiche.

Ida Vincent lebt ebenfalls in Diallos Nachbarschaft, in der Wheeler Ave. Auch sie sagte aus, dass es eine Pause in den Schussfolgen gegeben hat. Sie sagte auch aus, dass die zweite Schussfolge länger gedauert hat als die erste. Kurz danach hörte sie Autos vorfahren und dann Männerstimmen. Sie konnte aber nicht verstehen, was die Stimmen sagten. Das einzige was sie verstanden hatte, waren Worte wie: "Shit, okay lasst uns Folgendes erzählen…" Mehr verstand sie nicht. Sie bezeugte, dass sie vor den Schüssen nicht hören konnte, wie die Beamten auf sich aufmerksam machten. Da war kein "STOPP!" oder kein "Zeigen sie mir ihre Hände." Das legt den Schluss nahe, dass die in Zivil gekleideten Polizisten sich nicht als Polizisten zu erkennen gegeben haben.

Thomas Bell, derzeit an der Police Academy, lebt am Ende der Wheeler Ave. Auf seinem Heimweg, begegnete er einem Mann, auf den Diallos Beschreibung passt. Bell sagte aus, dass es sogar Augenkontakt gab, wobei Bell allerdings kein Gefühl der Angst hatte. Zuhause angekommen, telefonierte Bell mit seinem Cousin als er die erste Schussfolge hörte. Bell gab an, dass die Pause zwischen den Schussfolgen ca. 3,5 Sekunden gewesen sind.

Detective Kevin Barry sagte aus, dass er am Tatort bemerkte, dass die Patronenhülsen sehr nahe der Leiche herumlagen, was zeigt, dass der Abstand zwischen Diallo und den Beamten sehr gering gewesen sein muss. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Beamten die Hülsen beiseite getreten haben, nachdem die Schießerei vorbei war. Er sagte auch aus, dass unter dem Körper Diallos Projektile gefunden wurden, wobei unklar ist, ob Diallo drauf gefallen ist oder die Projektile aus den Wunden des Opfers fielen.

Dr. Joseph Cohen ist Gerichtsmediziner und hat die Leiche obduziert. Aus dem Autopsiebericht geht ja bereits hervor, dass es Unstimmigkeiten mit Diallos Körperhaltung gegeben hat. Cohen sagt aus, dass Diallo bereits nach der ersten Schussfolge gelegen haben muss. Diese Aussage bekräftigte er mit der Tatsache, dass ein Projektil durch die Fußsohle ins Schienbein wanderte und des Weiteren mit der Tatsache, dass einer der ersten Schüsse das Rückenmark oberhalb der Hüfte zerschmettert hat. Diallo war demnach gelähmt und nicht mehr in der Lage, aufrecht zu stehen.

Schrrie Elliott ist die einzige Augenzeugin der Schießerei. Sie war auf dem Heimweg, als sie an dem Auto der Beamten vorbeiging. Sie machte dazu folgende Aussagen:
Die Officers hatten ihre Waffen bereits gezogen als sie auf das Haus zugingen.
Weitere Fragen waren:
Haben sie gehört, wie jemand "STOPP, POLIZEI" oder ähnliches rief?
Antwort: NEIN
Frage: Haben Sie gehört, wie jemand "GUN" schrie?
Antwort: "JA" (Es war Sean Carrol, der das rief)
Frage: "Und jemand schoss in den Hausflur?"
Antwort: "JA"
Frage: "Mr. Diallo fiel sofort um als die Officer auf ihn schossen?"
Antwort: "JA"
Weitere Zeugen berichteten davon, dass viele Stimmen vor der Schießerei zu hören waren. Unter anderem Mr. Bernado Javier, der zusätzlich aussagte, dass er die 4 Männer (Officers) nach der Schießerei auf der Strasse gesehen habe und sie schienen sehr nervös. Mr. Javier bestätigte auch, dass es eine Pause in der Schussfolge gegeben hat.

Die Aussagen der 4 Officers:
Diallo habe sich verdächtig verhalten und als sie sich deutlich zu erkennen gaben, habe Diallo sich falsch verhalten, so dass Carroll schrie "GUN". Diallo ist während der gesamten Schießerei nicht zu Boden gegangen und des Weiteren gaben die 4 Officers an, dass sie um ihr Leben fürchteten. Sie waren in Panik.
Sean Carroll gab ebenfalls an, dass er nach der Schießerei versucht hat, Diallo wieder zu beleben und ihn anflehte "Bitte stirb nicht."

Aussagen Sean Carroll und Edward McMellon:
"Ich war mit meinen Kollegen an der Wheeler Ave. wo wir Diallo sagen. Ich wusste nicht einmal, dass er dort seine Wohnung hatte. Er hat uns im Auto gesehen und senkte seinen Kopf. Das machte ihn verdächtig, weil wird davon ausgingen, dass er nicht gesehen werden wollte. Wir sahen, wie er das Gebäude betrat, und gingen davon aus, dass er auf Raubzug war.


McMellon rief ihm zu, "STOPP, POLIZEI, ZEIGEN SIE IHRE HÄNDE!" Es war laut und sehr deutlich zu hören, aber Diallo wollte nicht hören. Dann begann Diallo, etwas aus seiner rechten Hosentasche zu ziehen. McMellon dachte, dass Diallo eine Waffe zog, um auf uns zu schießen. Daraufhin schossen wir und ich glaubte, ein schwarzes metallisches Glänzen in seinen Händen zu sehen, welche ich tatsächlich für eine Waffe hielt. Während wir schossen, ist Diallo nicht umgefallen, er stand die ganze Zeit. Ich hörte Holz splittern. Ich habe die ganze Zeit auf seine Beine gezielt. Nachher habe ich langsam seine Hand geöffnet und gesehen, dass es eine Geldbörse war. An der Police Academy habe ich gelernt, dass es so genannte "Wallet Guns" gibt, also in Geldbörsen versteckte Schusswaffen, aber es war nur eine einfache Geldbörse. Ich durchsuchte dann den Hausflur nach Schusswaffen, fand aber keine. Dann dämmerte mir erst, in welchen Schlamassel ich geraten bin. Ich fragte immer wieder "Wo ist die sch*** Waffe? Wo ist die sch*** Waffe?" Dann versuchte ich, Diallo wieder zu beleben und flehte ihn an "Bitte stirb nicht, atme… stirb nicht". Doch dann hörte Diallo auf zu atmen. Carroll weinte während dieser Aussage.

Aussagen Kenneth Boss und Richard Murphy:
Ich fuhr das Auto mit ca. 10 - 15 Meilen die Stunde die Wheeler Ave. runter. Ich sah zwar Diallo, konnte aber nicht Verdächtiges an ihm bemerken, ich sah auf die andere Seite des Blocks, bis McMellon und Carroll mich anwiesen zu stoppen. McMellon und Carroll stiegen aus. Murphy und ich blieben vorerst im Auto. Wir sahen, dass McMellon und Carroll Diallo ansprachen mit den Worten: "Kann ich Sie mal sprechen?". Diallo verschwand dann sehr schnell im Hausflur der Wheeler Ave. 1157. Wir hatten ein ungutes Gefühl und stiegen aus dem Auto. Dann schrie Carroll: "Er hat eine Waffe" und McMellon schrie: "Was machst du?" Wir sahen dann, wie McMellon die Treppe runterfiel. Wir dachten, er sei getroffen worden und rannten zu ihm und zum Hauseingang, wo Diallo stand und sahen seine ausgestreckte Hand mit etwas schwarzem Metallischem. Ich dachte nur… "Oh Gott, ich sterbe" und schoss, ich stand direkt in Diallos Schusslinie. Nach dem Schusswechsel stellen wir fest, dass McMurphy unverletzt war. Wir stellten auch fest, dass Diallo unbewaffnet war und ich glaube, ich bekam einen Schock.

John Patten, Anwalt der Verteidigung, weist daraufhin, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Diallo bewaffnet hätte sein können, sehr hoch ist. Denn in Anbetracht der Kriminalitätsrate der Süd-Bronx und des Verhaltens Diallos war die Situation sehr angespannt. Er wies daraufhin, dass aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse eine Geldbörse aus schwarz glänzendem Leder schnell als Waffe identifiziert werden könne.
Von Mord kann keine Rede sein. Es war ein schrecklicher Unfall - kein Mord. Nicht geplant und nicht gewollt. Die Beamten waren aufgrund des massiven Fehlverhalten Diallos in Panik und fürchteten um ihr Leben und Gesundheit ihrer selbst und das der Kollegen, die vor Ort waren.






Die 4 Beamten wurden in allen Anklagepunkten freigesprochen. Es konnte nicht nachgewiesen, dass es Mord war.
Kurz nach den tödlichen Schüssen auf Amadou Diallo organisierten die "100 Black Men in Law Enforcenement", eine Gruppe schwarzer Polizeibeamter, einen Trainingskurs, mit dem sie seither durch die Schulen der New Yorker Minderheitenviertel ziehen. In Rollenspielen üben sie mit den Kindern und Teenagern, wie man sich als Schwarzer oder Latino zu verhalten hat, wenn man von der Polizei angehalten wird.

So ein richtiges Ende hat dieser Artikel nicht, denn die Begründung, dass der Vorsatz nicht nachgewiesen werden konnte, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. "Im Zweifel für den Angeklagten". Nur viele sehen das gerade in diesem Fall anders, weil hier wieder die Rassismus-Frage ins Spiel kommt.












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